Tipps zum Abnehmen ohne Diätstress: 10 Top Tipps für den Alltag

Von Alicia Kaleta
Aktualisiert am:

Kurz & knapp

  • Abnehmen muss nicht mit Verzicht einhergehen; kleine, wiederholte Verhaltensänderungen sind entscheidend.
  • Das 10-Top-Tips-Programm fördert Gewohnheiten, statt Kalorien zu zählen oder Lebensmittel zu verbieten.
  • Regelmäßige Mahlzeiten, fettärmere Varianten und Bewegung im Alltag sind zentrale Tipps für nachhaltiges Abnehmen.
  • Der Ansatz zeigt in Studien, dass Gewohnheitsbildung zu einem effektiveren Gewichtsmanagement führt als traditionelle Diäten.
  • Kleine, machbare Veränderungen steigern die Akzeptanz und Integration in den Alltag, was langfristigen Erfolg fördert.

Abnehmen klingt oft nach Verzicht, Disziplin und endlosen Regeln. Viele starten motiviert, halten ein paar Wochen durch und stehen irgendwann wieder am Anfang. Das liegt jedoch nicht daran, dass Menschen zu wenig Willenskraft haben. Das Problem ist meist ein anderes: Gute Vorsätze sind noch keine Gewohnheiten.

Genau hier setzt ein Ansatz an, der in mehreren Studien untersucht wurde und sich bewusst von klassischen Diätkonzepten unterscheidet: das „10-Top-Tips“ (10TT)-Prinzip. Anstatt Kalorien zu zählen oder bestimmte Lebensmittel zu verbieten, geht es darum, kleine, konkrete Verhaltensweisen so oft zu wiederholen, bis sie zur Gewohnheit werden.

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Das klingt vielleicht unspektakulär. Doch genau darin liegt seine Stärke.

Warum Gewohnheiten beim Abnehmen so entscheidend sind

Unser Alltag besteht zu einem großen Teil aus Routinen. Wir essen zu bestimmten Zeiten, greifen in Stresssituationen zu bestimmten Snacks und bewegen uns mehr oder weniger automatisch. All diese Verhaltensweisen laufen ab, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken.

Die psychologische Forschung zeigt, dass Gewohnheiten unser Verhalten oft zuverlässiger steuern als reines Wissen oder kurzfristige Motivation. Selbst gut informierte Menschen essen nicht automatisch „gesund“, wenn alte Muster greifen. Genau deshalb scheitern viele Diäten nicht am fehlenden Wissen, sondern daran, dass dieses Wissen im Alltag nicht in stabile Routinen übersetzt wird.

Der 10-Top-Tips-Ansatz basiert auf der Theorie der sog. Habit Formation. Eine Handlung wird dann zur Gewohnheit, wenn sie regelmäßig im gleichen Kontext ausgeführt wird. Mit der Zeit braucht sie immer weniger bewusste Kontrolle und wird zunehmend automatisch ausgelöst1Beeken, R. J., Croker, H., Morris, S., Leurent, B., Omar, R., Nazareth, I., & Wardle, J. (2012). Study protocol for the 10 Top Tips (10TT) trial: randomised controlled trial of habit-based advice for weight control in general practice. BMC public health12, 667. https://doi.org/10.1186/1471-2458-12-667.. In mehreren randomisierten Studien zeigte sich, dass ein gewohnheitsbasierter Ansatz im Gewichtsmanagement zumindest kurzfristig wirksamer sein kann als eine rein allgemeine Beratung – vor allem mit Blick auf nachhaltigere Verhaltensänderungen.

Die 10 Top Tipps zum Abnehmen – alltagstauglich erklärt

Abnehmen Tipps
Die 10 Top Tipps im Überblick: kleine, alltagstaugliche Gewohnheiten statt strenger Diätregeln. (Eigene Darstellung)

Im Zentrum dieses Ansatzes stehen zehn einfache Tipps. Ihre Wirkung entsteht weniger durch einzelne Maßnahmen als durch das Zusammenspiel und die regelmäßige Wiederholung. Dabei ist nicht Perfektion, sondern Beständigkeit entscheidend.


1. Halte feste Mahlzeiten ein

Ein regelmäßiger Mahlzeitenrhythmus hilft dabei, unkontrolliertes Snacken zu reduzieren. Wer ungefähr weiß, wann die nächste Mahlzeit ansteht, greift seltener aus Hunger, Stress oder Gewohnheit zwischendurch zu.

Genau das ist ein zentraler Startpunkt im 10-Top-Tipps-Programm („Keep to your meal routine“): Wenn die Essenszeiten möglichst ähnlich sind, wird Essen weniger zur spontanen Nebenbei-Entscheidung und bekommt wieder einen festen Platz im Tagesablauf.

Ein einfacher Einstieg: Lege für die nächsten sieben Tage feste Zeiten für Frühstück, Mittag- und Abendessen fest. Es reicht, wenn sie ungefähr gleich bleiben. Bei Schichtarbeit oder wechselnden Tagen helfen feste Anker, zum Beispiel die erste Mahlzeit nach dem Aufstehen oder das Abendessen spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen.


2. Greife häufiger zu fettärmeren Varianten

Fett liefert pro Gramm viel Energie (9,3 kcal). Genau deshalb können schon kleine Veränderungen einen Unterschied machen, ohne dass es sich sofort wie eine Diät anfühlt.

Ein Grundgedanke des 10-Top-Tipps-Programms ist es, häufiger fettärmere Varianten zu wählen und sehr fettreiche Zutaten wie Butter oder Öl nur sparsam einzusetzen („Go reduced fat“). Dieser Punkt ist fester Bestandteil des Programms und wurde in mehreren Studien untersucht.

Es geht nicht darum, Fett zu verteufeln, sondern die oft unauffälligen Extras im Alltag besser im Blick zu behalten. Gerade diese machen am Ende häufig mehr aus, als man denkt.

Ein Beispiel: Speisequark liefert je nach Fettstufe sehr unterschiedliche Energiemengen. Während Quark mit 40 % Fett i. Tr. rund 140 kcal und über 10 g Fett je 100 g enthält, kommt die Magerstufe auf etwa 67 kcal und kaum Fett. Bei einer 250-g-Packung Quark bedeutet die Wahl der Fettstufe über 180 kcal Unterschied. Die Portion bleibt gleich, der Energiegehalt nicht.

Gut umsetzbar: Wähle ein Produkt, zum Beispiel Milch oder Joghurt, ersetze es durch eine fettärmere Alternative und bleibe dabei. Oder nimm dir beim Kochen vor, zunächst weniger Fett zu verwenden. Wenn nötig, kannst du immer noch nachwürzen oder später noch etwas Fett hinzufügen.


3. Bewege dich regelmäßig im Alltag

Bewegung muss kein strukturiertes Training sein. Spazierengehen, Treppensteigen oder kurze Wege zu Fuß zählen genauso dazu.

Auch im 10-Top-Tipps-Programm ist Alltagsbewegung ein zentraler Baustein. Der Tipp„Walk off the weight“ empfiehlt 10.000 Schritte pro Tag als Orientierung. Das entspricht etwa 60 bis 90 Minuten moderater Bewegung. Ein Schrittzähler kann dabei helfen, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie viel man sich im Alltag tatsächlich bewegt. Gerade diese alltägliche Bewegung sorgt für große Unterschiede im täglichen Energieverbrauch – bei vielen Menschen sogar für größere Unterschiede als einzelne Sporteinheiten. Bewegung im Alltag ist daher oft der entscheidende Faktor.

Und ganz ehrlich: Viele sind überrascht, wie schnell man mit kleinen Wegen und bewussten Routinen mehr zusammenbekommt, als man denkt.

Direkt umsetzbar: Verknüpfe Bewegung mit einer festen Situation, zum Beispiel mit einem kurzen Spaziergang nach dem Mittagessen. Oder steige eine Haltestelle früher aus. Es wirkt banal, aber genau diese Wiederholung macht am Ende den Unterschied.


4. Habe immer einen gesunden Snack parat

Hunger kommt selten geplant. Wer vorbereitet ist, trifft in der Regel bessere Entscheidungen. Wer nicht vorbereitet ist, greift oft zu dem, was gerade am leichtesten erreichbar ist.

Deshalb gehört das Mitführen eines gesunden Snacks zu den festen Empfehlungen im 10TT-Programm. „Pack a healthy snack“ meint genau das: vorbereitet sein. Ob Obst, Naturjoghurt oder ein belegtes Vollkornbrot – vorbereitete Snacks senken die Wahrscheinlichkeit, dass „nur schnell was Kleines“ am Ende doch zur Kalorienbombe wird.

Typischer Stolperstein: Keine Zeit. Wenn der Hunger kommt und nichts vorbereitet ist, greifen viele spontan zu Schokolade oder Chips. Abhilfe schafft es, Snacks am Vorabend vorzubereiten oder gleich mehrere Portionen auf einmal einzuplanen. Zusätzlich kann eine kleine Notfalloption im Rucksack oder in der Schublade im Büro helfen, zum Beispiel frisches Obst oder fettarmer Joghurt statt Süßigkeiten oder Knabberzeug.


5. Schau öfter auf Lebensmittel-Kennzeichnungen

Lebensmittel sehen oft gesünder aus, als sie tatsächlich sind. Bezeichnungen wie „Protein„, „Fitness“ oder „ohne Zuckerzusatz“ klingen zwar toll, sagen aber nicht automatisch etwas darüber aus, wie viel Zucker, Fett oder Energie tatsächlich enthalten ist.

Im 10-Top-Tips-Programm heißt dieser Tipp „Learn the labels“. Gemeint ist, beim Einkauf einen kurzen Blick auf die Nährwertangaben zu werfen, vor allem auf Fett- und Zuckergehalt, und sich nicht allein auf Werbeversprechen zu verlassen.

Das ist kein Kontrollzwang, sondern eher ein kurzer Realitäts-Check im Alltag.

Ein kleiner Test für den nächsten Einkauf: Vergleiche zwei ähnliche Produkte, zum Beispiel zwei Müslis oder zwei Joghurts. Entscheide dich bewusst und nicht nur nach der Vorderseite der Packung.


6. Achte auf Portionsgrößen

Nicht jedes Problem liegt in der Auswahl der Lebensmittel. Oft sind es die Mengen. Selbst mit „gesunden Lebensmitteln“ kann man sich regelmäßig überessen, ohne dass es sich wie „zu viel“ anfühlt.

„Caution with your portions“ ist daher ein zentraler 10TT-Tipp, da größere Portionen die Energieaufnahme fast automatisch erhöhen. Die Empfehlung lautet deshalb, den Teller nicht unnötig vollzuladen und vor dem Nachnehmen kurz innezuhalten. Eine Ausnahme bilden Gemüseportionen, die i. d. R. großzügiger ausfallen dürfen

Praktischer Kniff: Nutze kleinere Teller oder serviere dir bewusst nach, statt alles auf einmal auf den Teller zu legen. Viele merken schon nach ein paar Tagen, dass sie seltener nachnehmen, wenn die erste Portion nicht riesig ausfällt.


7. Verbringe mehr Zeit auf den Beinen

Langes Sitzen senkt den Energieverbrauch deutlich. Oft ist es nicht die fehlende Sporteinheit, sondern die Summe der vielen sitzenden Stunden im Alltag, die sich bemerkbar macht.

Im 10TT lautet der Tipp deshalb: „Up on your feet“. Das bedeutet, Sitzzeiten regelmäßig zu unterbrechen, beispielsweise, indem du jede Stunde für etwa zehn Minuten aufstehst und dich kurz bewegst.

In einer Evaluation des 10-Top-Tipps-Programms gaben die Teilnehmenden an, dass sie mehrere der konkreten Tipps – darunter auch solche zur Alltagsbewegung – als hilfreich empfanden. Zudem berichtete die große Mehrheit, dass sich die empfohlenen Verhaltensweisen im Verlauf von einigen Wochen zunehmend wie Gewohnheiten angefühlt haben.2Burr, K., Roberson, K. B., Onsomu, E. O., Yancu, C. N., & Pritchard, R. (2020). Evaluating Ten Top Tips (10TT): Brief Dietary and Physical Activity Counseling in Rural Overweight and Obese Adults. Family & community health43(2), 106–117. https://doi.org/10.1097/FCH.0000000000000248.

Alltagstauglich umgesetzt: Stehe bei jedem Telefonat auf oder bewege dich kurz. Alternativ kannst du dir eine einfache Regel vornehmen: Jede Stunde einmal aufstehen, ein Glas Wasser holen oder dich kurz strecken. Es muss nicht sportlich sein, es muss nur regelmäßig passieren.


8. Denke bewusst an deine Getränke

Getränke liefern häufig Energie, ohne zu sättigen. Softdrinks, Fruchtsäfte oder gesüßte Kaffees summieren sich schneller, als man denkt.

„Think about your drinks“ ist ein Klassiker im 10TT-Programm. Das bedeutet, dass man bevorzugt zu Wasser oder ungesüßten Getränken greifen und energiereiche Getränke bewusster dosieren sollte. Auch Fruchtsaft enthält natürlichen Zucker und sollte deshalb die Ausnahme bleiben, (z. B. ein kleines Glas am Tag). Alkohol liefert ebenfalls viele Kalorien und wird im Alltag oft unterschätzt.

Zum Vergleich: Eine Dose Cola (0,33 l) liefert rund 140 kcal, ein kleines Glas Orangensaft (0,2 l) etwa 80 kcal, ein halber Liter Bier etwa 205 kcal und ein großer Caramel Macchiato mit Vollmilch schnell über 250 kcal – oft zusätzlich zu den Mahlzeiten.

Gerade hier fühlen sich Veränderungen oft erstaunlich leicht an, weil man nicht zusätzlich hungrig wird.

Großer Hebel: Wenn du nur eine Sache diese Woche ändern willst, dann beginne bei den Getränken. Viele sparen über Getränke Kalorien ein, ohne das Gefühl zu haben, weniger essen zu müssen.


9. Iss achtsamer

Neben dem „Was“ und „Wie viel“ spielt auch das „Wie“ eine wichtige Rolle. Wer abgelenkt isst, nimmt oft mehr Energie auf und merkt später schlechter, wann eigentlich genug wäre.

Dieser Gedanke steckt auch hinter dem 10TT-Tipp „Focus on your food“. Das bedeutet, langsamer zu essen, nicht unterwegs oder vor dem Fernseher zu essen und Mahlzeiten möglichst bewusst am Tisch einzunehmen.

In qualitativen Interviews zu gewohnheitsbasierten Programmen wie dem Ten-Top-Tips-Programm beschrieben Teilnehmende außerdem, dass sie mehr Selbstwahrnehmung entwickelten, zum Beispiel im Umgang mit Essen und Bewegung, und beschrieben die Umsetzung im Alltag als praktikabel.3Cleo, G., Hersch, J., & Thomas, R. (2018). Participant experiences of two successful habit-based weight-loss interventions in Australia: a qualitative study. BMJ open8(5), e020146. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2017-020146.

Ein erster Schritt: Iss eine Mahlzeit am Tag ohne Smartphone oder Bildschirm. Wenn dir das zu schwerfällt, starte mit fünf Minuten ohne Ablenkung und erlaube dir danach den Rest. Hauptsache, du nimmst dein Essen wieder bewusst wahr.


10. Vergiss Obst und Gemüse nicht

Obst und Gemüse erhöhen das Volumen der Mahlzeit bei vergleichsweise geringer Energiedichte. Sie liefern wichtige Mikronährstoffe und sorgen für mehr Fülle auf dem Teller, ohne dass der Kaloriengehalt sofort in die Höhe schießt.

Im 10TT ist dieser Punkt als „Don’t forget your 5 a day“ verankert. Das bedeutet, dass du über den Tag verteilt mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse einplanen und sie möglichst regelmäßig in deine Mahlzeiten integrieren solltest. Als einfache Orientierung kann die eigene Hand dienen: Eine Portion entspricht etwa einer Handvoll. Wer zusätzlich auf Abwechslung achtet und verschiedene Farben kombiniert („Eat the rainbow“), profitiert von einer breiteren Nährstoffversorgung.

So lässt sich das umsetzen: Betrachte Obst und Gemüse nicht als Extra, sondern integriere es direkt in deine Hauptmahlzeiten. Du kannst es beispielsweise im Müsli, in Pfannengerichten oder als festen Bestandteil im Sandwich verwenden. So fühlt es sich nicht wie eine Zusatzaufgabe an, sondern wie ganz normales Essen.

Wie viel bringen diese Tipps wirklich?

Bei der Entwicklung des 10-Top-Tipps-Programms wurde davon ausgegangen, dass sich durch die Kombination mehrerer kleiner Verhaltensänderungen eine moderate tägliche Energieeinsparung erreichen lässt, ohne dass Kalorien bewusst gezählt oder Lebensmittel strikt verboten werden müssen. Das Ziel besteht nicht in maximaler Restriktion, sondern in einer alltagstauglichen negativen Energiebilanz, die sich eher nebenbei ergibt4Beeken, R. J., Croker, H., Morris, S., Leurent, B., Omar, R., Nazareth, I., & Wardle, J. (2012). Study protocol for the 10 Top Tips (10TT) trial: randomised controlled trial of habit-based advice for weight control in general practice. BMC public health12, 667. https://doi.org/10.1186/1471-2458-12-667..

Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Tipp. Erst das Zusammenspiel mehrerer Gewohnheiten macht den Unterschied: etwas weniger Fett hier, kleinere Portionen dort, mehr Bewegung im Alltag und eine bewusstere Getränkewahl. Jede einzelne Veränderung wirkt für sich genommen überschaubar. Einzelne Tipps führen oft „nur“ zu einer Energieeinsparung von 100 bis 200 kcal pro Tag. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass sich diese kleinen Veränderungen täglich addieren. So kann eine spürbare Reduktion der Energiezufuhr entstehen, ohne dass der Alltag sich wie eine klassische Diät anfühlt.

Genau darin liegt die Stärke dieses Vorgehens. Die Tipps greifen ineinander und lassen sich parallel umsetzen, ohne sich gegenseitig zu blockieren oder dauerhaft hohe mentale Anstrengung zu erfordern.

Was sagt die Wissenschaft insgesamt dazu?

Mehrere randomisierte Studien – darunter eine große Primärversorgungsstudie – zeigen, dass der Ansatz der „10 Top Tips“ im Vergleich zur üblichen Beratung kurzfristig zu einem signifikant höheren Gewichtsverlust führt, obwohl die Intervention sehr niedrigschwellig ist5Beeken, R. J., Leurent, B., Vickerstaff, V., Wilson, R., Croker, H., Morris, S., Omar, R. Z., Nazareth, I., & Wardle, J. (2017). A brief intervention for weight control based on habit-formation theory delivered through primary care: results from a randomised controlled trial. International journal of obesity (2005)41(2), 246–254. https://doi.org/10.1038/ijo.2016.206.. Bereits nach drei Monaten lassen sich messbare Unterschiede beobachten, und das ohne intensive Betreuung oder komplexe Programme.

Ein wiederkehrendes Ergebnis qualitativer Studien ist außerdem die hohe Akzeptanz des Ansatzes. Die Teilnehmenden berichten, dass sie sich weniger unter Druck gesetzt fühlen als bei klassischen Diäten und die Veränderungen besser in ihren Alltag integrieren können. Besonders häufig genannt werden ein geringeres „Diätgefühl“, mehr Selbstwahrnehmung im Umgang mit Essen und Bewegung sowie die einfache Umsetzbarkeit im Alltag6Cleo, G., Hersch, J., & Thomas, R. (2018). Participant experiences of two successful habit-based weight-loss interventions in Australia: a qualitative study. BMJ open8(5), e020146. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2017-020146..

Auch im Hinblick auf die Gewichtsstabilisierung spricht vieles dafür, dass gewohnheitsbasierte Ansätze ein wichtiger Baustein für langfristigen Erfolg sein können. Studien zur Gewichtsstabilisierung zeigen zudem, dass eine langfristige Unterstützung sowie die Etablierung stabiler Routinen entscheidend sind, um erreichte Erfolge zu halten – insbesondere nach einer anfänglichen Gewichtsreduktion7Iłowiecka, K., Glibowski, P., Skrzypek, M., & Styk, W. (2021). The Long-Term Dietitian and Psychological Support of Obese Patients Who Have Reduced Their Weight Allows Them to Maintain the Effects. Nutrients13(6), 2020. https://doi.org/10.3390/nu13062020.. Interventionen wie 10TT zeigen, dass nicht nur ein kurzfristiger Gewichtsverlust möglich ist, sondern dass bei vielen Teilnehmenden auch eine klinisch relevante Gewichtsstabilisierung über mehrere Monate erreicht werden kann – insbesondere dann, wenn sich die neuen Verhaltensweisen tatsächlich als Gewohnheiten etablieren8Cleo, G., Glasziou, P., Beller, E., Isenring, E., & Thomas, R. (2019). Habit-based interventions for weight loss maintenance in adults with overweight and obesity: a randomized controlled trial. International journal of obesity (2005)43(2), 374–383. https://doi.org/10.1038/s41366-018-0067-4..

Ergänzend weisen gesundheitsökonomische Analysen darauf hin, dass der Ansatz mit sehr geringen Kosten verbunden ist und im Vergleich zur üblichen Versorgung als mindestens ebenso kosteneffektiv gilt. Das macht ihn nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch aus Public-Health-Perspektive interessant9Patel, N., Beeken, R. J., Leurent, B., Omar, R. Z., Nazareth, I., & Morris, S. (2018). Cost-effectiveness of habit-based advice for weight control versus usual care in general practice in the Ten Top Tips (10TT) trial: economic evaluation based on a randomised controlled trial. BMJ open8(8), e017511. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2017-017511..

Insgesamt deutet die Studienlage darauf hin, dass nicht maximale Disziplin, sondern konsequent wiederholbare Alltagsentscheidungen der entscheidende Faktor für ein nachhaltiges Gewichtsmanagement sind.

So setzt du die 10 Tipps um, ohne dich zu überfordern

Der größte Fehler ist es, zu versuchen, alles auf einmal zu ändern. Genau das ist der Grund, warum gute Vorsätze oft schon nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Gewohnheiten entstehen nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt.

Bewährt hat sich ein bewusst langsamer Einstieg. Anstatt alle zehn Tipps gleichzeitig umzusetzen, lohnt es sich, gezielt vorzugehen und dem eigenen Alltag Zeit zu geben, sich anzupassen.

Eine einfache Strategie:

  • Starte mit ein bis zwei Tipps, die dir leichtfallen oder gut in deinen Alltag passen.
  • Wiederhole sie konsequent über mehrere Tage oder Wochen.
  • Erst wenn sie sich selbstverständlich anfühlen, ergänze den nächsten Tipp.

Viele Studien zum 10-Top-Tipps-Ansatz zeigen, dass genau diese schrittweise Vorgehensweise entscheidend ist. Die Teilnehmenden berichten, dass sich Veränderungen dadurch weniger anstrengend anfühlen und sich leichter in den Alltag integrieren lassen.

Es ist außerdem hilfreich, neue Gewohnheiten an bestehende Routinen zu koppeln. Ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen, ein vorbereitetes Frühstück unter der Woche oder ein Glas Wasser direkt nach dem Aufstehen sind kleine Anker, die die Umsetzung erleichtern. Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, dranzubleiben.

Fortschritt entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Wiederholung.

Fazit: Kleine Gewohnheiten schlagen große Versprechen

Die 10 Tipps sind kein Wundermittel. Sie versprechen weder schnellen Gewichtsverlust noch eine radikale Transformation. Genau darin liegt ihre Stärke.

Anstatt auf Verzicht und strenge Regeln zu setzen, fördern sie machbare Veränderungen, die sich in den Alltag integrieren lassen. Wer nicht ständig gegen sich selbst arbeiten muss, bleibt eher dabei. Und wer durchhält, hat langfristig die besseren Chancen.

Abnehmen darf sich machbar anfühlen. Wenn kleine Veränderungen zur Gewohnheit werden, entsteht Fortschritt oft fast nebenbei. Vielleicht ist genau das der Ansatz, der diesmal nicht nur gestartet, sondern auch durchgehalten wird.

Foto des Autors

Alicia Kaleta

Alicia Kaleta, B.Sc. Ökotrophologie & B.Sc. Wirtschaftspsychologie, ist Masterstudentin im Studiengang Health Sciences an der HAW Hamburg. Neben ihrer Leidenschaft für wissenschaftliche Ernährungs- und Gesundheitsforschung teilt sie auf figurbetont.de praxisnahe, fundierte Inhalte zu Ernährung, Training und mentaler Gesundheit. (ResearchGate)

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