Neues Jahr, altes Ich? Warum dein Körper kein Neujahrsprojekt ist

Von Alicia Kaleta
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Der Jahreswechsel ist da. Und mit ihm fluten wieder gut gemeinte Ratschläge und schlanke Vorbilder unsere Feeds. Kaum sind die Feiertage vorbei, prasseln Werbeslogans und Beiträge auf uns ein: „Neues Jahr, neuer Körper!“, „Summer Body 2026“ oder Vorher-nachher-Fotos von angeblichen Blitz-Transformationen. Vielleicht spürst du es auch: Dieses leise Unbehagen, wenn wieder Diät-Challenges und Fitnesspläne hochkochen. Wenn überall optimierte Körper zu sehen sind, die uns zeigen sollen, wie wir eigentlich aussehen könnten. Und während man noch den Weihnachtsbraten verdaut, beschleicht einen das Gefühl: Sollte ich nicht auch sofort an mir arbeiten?

Mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Gerade im Januar scheint ein stillschweigender gesellschaftlicher Konsens zu herrschen, dass wir etwas an uns ändern müssten. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob du heute fünf oder 15 Kilo mehr wiegst als noch vor zehn Jahren. Genau auf diese Unsicherheit zielt die Diätkultur ab.

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Letzte Aktualisierung am 2.01.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Januar: Der Monat der Diätversprechen

Neujahrsvorsätze haben Tradition – und Abnehmen steht seit jeher ganz oben auf der Liste. Pünktlich zum Jahreswechsel schießen die Angebote für Diäten, Detox-Kuren und Fitnessprogramme in die Höhe. Zeitschriften werben mit Titelstories wie „Schlank ins neue Jahr“, Social-Media-Influencer teilen ihre 30-Tage-Workouts. Die Botschaft ist klar: Jetzt oder nie, diesmal wirst du zur besten Version deiner selbst.

Vor allem auf Instagram und TikTok zeigt sich dieses Muster jedes Jahr besonders deutlich. Im Januar füllen sich die Feeds mit angeblich „inspirierenden“ Posts. Influencer präsentieren makellose Vorher-nachher-Bilder, teilen strikte Diätpläne oder minutiöse Morgenroutinen, die angeblich der Schlüssel zu einem glücklicheren und gesünderen Leben sind. Was das bei vielen auslöst, ist weniger Motivation als vielmehr ein ungutes Gefühl. Der ständige Vergleich mit diesen unrealistischen Idealen lässt Zweifel wachsen. Denn natürlich sieht der Alltag der meisten von uns nicht aus wie ein gefilterter Fitness-Account. Und trotzdem bleibt die Frage hängen: Warum schaffe ich das nicht?

Auch die Werbewirtschaft nutzt den Jahresanfang gezielt, um diese Unsicherheit zu verstärken. Fitnessstudio-Verträge werden mit Rabatt angeboten, teure Coaching-Programme versprechen den entscheidenden Durchbruch und Kalorientracker oder Entgiftungstees gelten plötzlich als unverzichtbare Helfer. Die unterschwellige Botschaft lautet: Ohne diese Produkte fehlt dir die Disziplin, um deine Ziele zu erreichen. Das schürt nicht nur Konsumlust, sondern auch Angst. Was, wenn ich es ohne all das nicht schaffe? Genau davon lebt die Diätindustrie.

Das Geschäft mit der Unsicherheit

Tatsächlich ist die globale Abnehm- und Weight-Management-Industrie ein äußerst lukrativer Wirtschaftszweig. Laut Schätzungen von Grand View Research belief sich das weltweite Marktvolumen im Jahr 2022 auf rund 143 Milliarden US-Dollar und wächst weiterhin deutlich. Bis 2030 wird ein Volumen von nahezu 300 Milliarden US-Dollar erwartet1Grand View Research. (2023). Weight management market size, share & trends analysis report, 2023–2030. Grand View Research. https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/weight-management-market.. Diese Größenordnung erklärt, warum Unsicherheit so hartnäckig vermarktet wird. Ganze Industriezweige profitieren davon, dass Menschen glauben, ihren Körper verändern, kontrollieren oder „optimieren“ zu müssen, um als gesund, attraktiv oder erfolgreich zu gelten.

Vom Diätprodukt bis zum Eingriff

Die Branche reicht von Abnehm- und Diätprodukten über Fitnessangebote bis hin zu medizinisch begleiteten oder chirurgischen Behandlungen. Besonders gut lebt sie vom Januar-Hype. Denn wann sind Menschen empfänglicher für die Hoffnung auf Veränderung als zum Jahresbeginn? Ein erheblicher Teil dieser Branche funktioniert nur deshalb, weil wir unseren Körper als Problem wahrnehmen. Erst die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper macht Diätprodukte, Abnehmprogramme oder ästhetische Eingriffe attraktiv. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ist deshalb selten ein persönliches Versagen, sondern das Ergebnis einer gezielten Inszenierung. Marketingmechanismen setzen genau dort an, wo Selbstzweifel entstehen, und machen sie profitabel.

Große Versprechen, dünne Evidenz

Dabei wird häufig mit überzogenen Versprechungen gearbeitet. Pillen, Pulver und Crashdiäten werben mit schnellen Erfolgen, doch für viele frei verkäufliche Mittel fehlen belastbare Nachweise, dass sie das Gewicht dauerhaft reduzieren. Verbraucherzentralen warnen zudem vor Nebenwirkungen, möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten sowie vor Diäten, die auf einzelne Produkte oder Schlankheitsmittel setzen2Verbraucherzentrale (2025). Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen: wenig wirksam bis gefährlich. Verbraucherzentrale. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/nahrungsergaenzungsmittel-zum-abnehmen-wenig-wirksam-bis-gefaehrlich-32629. 3Verbraucherzentrale (2025). Diäten mit bestimmten Produkten: Das können Schlankheitsmittel. Verbraucherzentrale. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/schlankheitsmittel-und-diaeten/diaeten-mit-bestimmten-produkten-das-koennen-schlankheitsmittel-13881.. Dass es sich dabei nicht nur um theoretische Risiken handelt, zeigen Untersuchungen von Landesbehörden, die wiederholt gesundheitsschädliche Schlankheitsprodukte, insbesondere aus dem Internet, identifiziert haben4Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz. (2025). Neun gesundheitsschädliche Schlankmacher aus dem Internet enttarnt. https://lua.rlp.de/presse/pressemitteilungen/detail/neun-gesundheitsschaedliche-schlankmacher-aus-dem-internet-enttarnt..

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Nahrungsergänzungsmittel gelten in Deutschland rechtlich als Lebensmittel. Anders als Arzneimittel müssen sie vor dem Verkauf nicht behördlich auf Wirksamkeit geprüft werden5Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). (2025). Keine Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln notwendig [Pressemitteilung]. https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/01_lebensmittel/2025/2025_3_PM_NEM.html.. Eine staatliche Zulassung ist nicht erforderlich, die Kontrolle erfolgt überwiegend erst nach Markteinführung. Besonders deutlich zeigt sich das bei sog. „Detox-Produkten“. Fachstellen betonen, dass für viele der beworbenen Detox-Effekte keine überzeugende wissenschaftliche Grundlage existiert6Verbraucherzentrale Niedersachsen. (2025). Detox-Produkte – Können sie den Körper wirklich entgiften?https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/themen/ernaehrung-lebensmittel/gesunde-ernaehrung/detoxprodukte-koennen-sie-den-koerper-wirklich-entgiften (verbraucherzentrale-niedersachsen.de. 7National Center for Complementary and Integrative Health. (2025, March). “Detoxes” and “Cleanses”: What you need to know. National Institutes of Health. https://www.nccih.nih.gov/health/detoxes-and-cleanses-what-you-need-to-know.. So floriert ein Geschäft, das von Hoffnung und Unsicherheit lebt – auch dann, wenn viele Angebote am Ende mehr versprechen, als sie halten können.

Der Jo-Jo-Effekt: Warum viele Diäten nicht dauerhaft funktionieren

Es klingt manchmal fast zynisch, beschreibt aber viele Erfahrungen ziemlich gut: Diäten können kurzfristig wirken, doch langfristig kommt das Gewicht häufig zurück. Große Übersichtsarbeiten zeigen, dass im Durchschnitt bereits nach ein bis zwei Jahren ein erheblicher Teil des verlorenen Gewichts wieder erreicht ist. Nach fünf Jahren sind es häufig über 80 % des ursprünglichen Gewichtsverlusts, die zurückgekehrt sind8Hall, K. D., & Kahan, S. (2018). Maintenance of Lost Weight and Long-Term Management of Obesity. The Medical clinics of North America102(1), 183–197. https://doi.org/10.1016/j.mcna.2017.08.012.. Nach einer Gewichtsabnahme greifen biologische und verhaltensbezogene Mechanismen ineinander, die eine erneute Gewichtszunahme begünstigen können9MacLean, P. S., Higgins, J. A., Giles, E. D., Sherk, V. D., & Jackman, M. R. (2015). The role for adipose tissue in weight regain after weight loss. Obesity reviews : an official journal of the International Association for the Study of Obesity16 Suppl 1(Suppl 1), 45–54. https://doi.org/10.1111/obr.12255..

Was nach der Diät im Körper passiert

Wenn dem Körper über einen längeren Zeitraum hinweg deutlich weniger Energie zugeführt wird, reagiert er nicht neutral darauf. Der Energieverbrauch sinkt, teilweise stärker, als man es allein durch das niedrigere Körpergewicht erwarten würde. Dieses Phänomen wird als adaptive Thermogenese beschrieben und kann dazu beitragen, dass der Körper nach einer Diät (insbesondere während aktiver Energierestriktion) energieeffizienter arbeitet als zuvor10Dulloo, A. G., & Schutz, Y. (2015). Adaptive Thermogenesis in Resistance to Obesity Therapies: Issues in Quantifying Thrifty Energy Expenditure Phenotypes in Humans. Current obesity reports4(2), 230–240. https://doi.org/10.1007/s13679-015-0156-9.. Gleichzeitig verändern sich die Prozesse rund um Hunger, Sättigung und Appetit sowie hormonelle Steuermechanismen so, dass Essen wieder attraktiver wird und es zunehmend schwerfällt, durchzuhalten. Diese biologischen Anpassungen machen es schwer, das reduzierte Gewicht langfristig zu halten.11Busetto, L., Bettini, S., Makaronidis, J., Roberts, C. A., Halford, J. C. G., & Batterham, R. L. (2021). Mechanisms of weight regain. European journal of internal medicine93, 3–7. https://doi.org/10.1016/j.ejim.2021.01.002.

Warum „einfach mehr Disziplin“ oft nicht reicht

Wie stark diese Gegenreaktionen sein können, zeigen Langzeitdaten nach einer sehr starken Gewichtsabnahme besonders eindrücklich. Selbst Jahre später kann der Ruheenergieverbrauch noch niedriger sein als erwartet. Das bedeutet: Manche Menschen verbrauchen dauerhaft weniger Kalorien als andere mit gleichem Körpergewicht, die nie so stark abgenommen haben. Das ist ein klarer Nachteil beim Halten des Gewichts.12Fothergill, E., Guo, J., Howard, L., Kerns, J. C., Knuth, N. D., Brychta, R., Chen, K. Y., Skarulis, M. C., Walter, M., Walter, P. J., & Hall, K. D. (2016). Persistent metabolic adaptation 6 years after „The Biggest Loser“ competition. Obesity (Silver Spring, Md.)24(8), 1612–1619. https://doi.org/10.1002/oby.21538..

Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Fettgewebe eine Art „Gedächtnis“ entwickeln kann. Selbst wenn das Körpergewicht deutlich reduziert wurde, bleiben nach Phasen mit starkem Übergewicht bestimmte biologische Veränderungen im Fettgewebe bestehen. Experimentelle Daten zeigen, dass diese Spuren die spätere Gewichtsentwicklung beeinflussen können. So kann der Körper bei erneuter höherer Energiezufuhr beispielsweise schneller wieder an Gewicht zunehmen13Hinte, L. C., Castellano-Castillo, D., Ghosh, A., Melrose, K., Gasser, E., Noé, F., Massier, L., Dong, H., Sun, W., Hoffmann, A., Wolfrum, C., Rydén, M., Mejhert, N., Blüher, M., & von Meyenn, F. (2024). Adipose tissue retains an epigenetic memory of obesity after weight loss. Nature636(8042), 457–465. https://doi.org/10.1038/s41586-024-08165-7..

Auch das Verhalten spielt eine Rolle

Neben diesen körperlichen Mechanismen zeigen prospektive Studien ein weiteres, oft überraschendes Muster: Diäthalten sagt bei nicht adipösen Personen häufiger eine spätere Gewichtszunahme voraus als einen langfristigen Gewichtsverlust. Dies beweist zwar nicht, dass Diäten allein die Ursache sind, passt jedoch zu einem sich wiederholenden Kreislauf aus strenger Restriktion, Kontrollverlust und anschließendem Gegenpendel14Lowe, M. R., Doshi, S. D., Katterman, S. N., & Feig, E. H. (2013). Dieting and restrained eating as prospective predictors of weight gain. Frontiers in psychology4, 577. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2013.00577..

Ein Kreislauf, den viele aus eigener Erfahrung kennen: Anfangs verliert man Gewicht, dann wird es immer schwerer, das neue Gewicht zu halten. Hunger, Erschöpfung und Frust nehmen zu, und irgendwann kommt das Gewicht zurück. Nicht, weil es an Disziplin fehlt, sondern weil Körper und Psyche gemeinsam gegen dauerhafte Restriktion arbeiten.

Filter, Vorsätze und der ständige Vergleich

Doch nicht nur Waagen und Kalorientabellen setzen uns unter Druck. Es sind vor allem die Bilder, mit denen wir uns täglich vergleichen. Wir leben in einer Ära digitaler Hochglanzkörper. Dank Beauty-Filtern, Bildbearbeitung und zunehmend auch KI wirken Gesichter und Körper online makellos. Schlankmachende Perspektiven, glatte Haut und perfektes Licht prägen viele Darstellungen. Die gängigen Schönheitsideale sind allgegenwärtig. Was dabei oft übersehen wird: Ein großer Teil dieser Perfektion ist eine Illusion.

Wenn Bilder Maßstäbe verschieben

Filter und Retuschen verändern nicht nur einzelne Details, sondern ganze Maßstäbe. Studien zeigen, dass bearbeitete Bilder fast durchweg als attraktiver wahrgenommen werden als unbearbeitete Aufnahmen derselben Personen. Das eigentliche Problem liegt weniger darin, dass solche Bilder existieren, sondern darin, womit wir sie vergleichen. Unser alltägliches Selbst trifft auf sorgfältig inszenierte Momentaufnahmen anderer. Während wir morgens ungeschminkt, mit normalem Bauch, müden Augen und echten Falten im Spiegel stehen, werden uns Bilder präsentiert, die bis ins Detail optimiert sind. Dieser Vergleich ist von Anfang an unfair.

Der direkte Vergleich zwischen unbearbeiteten Fotos und mit Beautyfiltern bearbeiteten Bildern derselben Personen verdeutlicht, wie stark sich das Erscheinungsbild verändern kann15Gulati, A., Martínez-Garcia, M., Fernández, D., Lozano, M. A., Lepri, B., & Oliver, N. (2024). What is beautiful is still good: the attractiveness halo effect in the era of beauty filters. Royal Society open science11(11), 240882. https://doi.org/10.1098/rsos.240882.:

Beauty-Filter Vorher Nachher
Beispielhafte Gesichter vor (links) und nach (rechts) Anwendung eines Beautyfilter. (Quelle: Gulati et al., 2024, Royal Society Open Science. Lizenz: CC BY 4.0).

Wie in den Beispielen zu sehen ist, verändert der Beautyfilter verschiedene Gesichtspartien wie Hautton, Augen und Wimpern, Nase, Kinn, Wangenknochen und Lippen, um das Erscheinungsbild insgesamt attraktiver erscheinen zu lassen. Der ständige Kontakt mit solchen optimierten Bildern kann dazu führen, dass reale, unbehandelte Gesichter als unzureichend wahrgenommen werden.

Sozialer Vergleich und seine Folgen

Psychologisch lässt sich dieser Effekt gut erklären. Menschen orientieren sich an vermeintlichen Idealen und übernehmen sie oft unbewusst als Maßstab für den eigenen Wert. In den sozialen Medien wird dieser soziale Vergleich dauerhaft verstärkt. Besonders zu Jahresbeginn, wenn Fitnessfortschritte, Diäterfolge und „neue Ichs“ präsentiert werden, kann das entmutigend wirken. Es entsteht der Eindruck, andere seien disziplinierter, erfolgreicher oder bereits weiter als man selbst.

Die Folgen sind gut dokumentiert. Studien zeigen, dass Social-Media-Nutzung mit höherer Körperunzufriedenheit und essstörungsnahen Symptomen zusammenhängt, besonders wenn soziale Vergleichsprozesse eine große Rolle spielen16Bonfanti, R. C., Melchiori, F., Teti, A., Albano, G., Raffard, S., Rodgers, R., & Lo Coco, G. (2025). The association between social comparison in social media, body image concerns and eating disorder symptoms: A systematic review and meta-analysis. Body image52, 101841. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2024.101841. 17Athanasoula, D., Salpa, A., Apergi, F. S., & Vlachos, I. I. (2025). The Relationship Between Social Media Use and Disordered Eating in Young Adults Aged 18-30: A Narrative Review. Nutrients17(20), 3288. https://doi.org/10.3390/nu17203288.. Auch für psychische Belastung finden sich konsistente Zusammenhänge, etwa mit depressiven Symptomen, Angst und geringerem Selbstwert, wobei die Studien je nach Messansatz zwischen intensiver, problematischer oder suchtähnlicher Nutzung unterscheiden18Jing, Z., Yang, W., Lei, Z., Junmei, W., Hui, L., & Tianmin, Z. (2025). Correlations between social media addiction and anxiety, depression, FoMO, loneliness and self-esteem among students: A systematic review and meta-analysis. PloS one20(9), e0329466. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0329466. 19Ahmed, O., Walsh, E. I., Dawel, A., Alateeq, K., Espinoza Oyarce, D. A., & Cherbuin, N. (2024). Social media use, mental health and sleep: A systematic review with meta-analyses. Journal of affective disorders367, 701–712. https://doi.org/10.1016/j.jad.2024.08.193. 20Huang C. (2022). A meta-analysis of the problematic social media use and mental health. The International journal of social psychiatry68(1), 12–33. https://doi.org/10.1177/0020764020978434. 21Cabezas-Klinger, H., Fernandez-Daza, F. F., & Mina-Paz, Y. (2025). Associations Between Social Media Use and Mental Disorders in Adolescents and Young Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Recent Evidence. Behavioral sciences (Basel, Switzerland)15(11), 1450. https://doi.org/10.3390/bs15111450..

Als zentrale Vermittlungsmechanismen werden wiederholter sozialer Vergleich, Internalisierung von Schönheitsidealen sowie Selbstobjektivierung diskutiert22Rodgers, R. F., & Rousseau, A. (2022). Social media and body image: Modulating effects of social identities and user characteristics. Body image41, 284–291. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2022.02.009.. Besonders betroffen sind junge Menschen, darunter viele Mädchen und junge Frauen, sowie Personen mit einem höheren BMI oder bereits bestehenden Sorgen bezüglich ihres Körperbildes. Bei ihnen spielen sozialer Vergleich und die Übernahme von Schönheitsidealen oft eine größere Rolle.23Blanchard, L., Conway-Moore, K., Aguiar, A., Önal, F., Rutter, H., Helleve, A., Nwosu, E., Falcone, J., Savona, N., Boyland, E., & Knai, C. (2023). Associations between social media, adolescent mental health, and diet: A systematic review. Obesity reviews : an official journal of the International Association for the Study of Obesity24 Suppl 2, e13631. https://doi.org/10.1111/obr.13631. 24Dane, A., & Bhatia, K. (2023). The social media diet: A scoping review to investigate the association between social media, body image and eating disorders amongst young people. PLOS global public health3(3), e0001091. https://doi.org/10.1371/journal.pgph.0001091.. Gewichtsstigmatisierung und die Art und Weise, wie Körper online bewertet werden, können für manche Personen zusätzlichen Druck erzeugen25Clark, O., Lee, M. M., Jingree, M. L., O'Dwyer, E., Yue, Y., Marrero, A., Tamez, M., Bhupathiraju, S. N., & Mattei, J. (2021). Weight Stigma and Social Media: Evidence and Public Health Solutions. Frontiers in nutrition8, 739056. https://doi.org/10.3389/fnut.2021.739056.. Je stärker der Fokus auf das Äußere gerichtet ist, desto eher kann das Gefühl entstehen, der eigene Wert hänge vor allem vom Aussehen ab.

Warum weniger Scrollen entlasten kann

Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass dieser Kreislauf nicht unvermeidlich ist. Schon kurze Pausen von sozialen Medien können entlastend wirken. In Studien zu kurzen Social-Media-Pausen zeigen sich teils messbare Verbesserungen. Dazu zählen weniger essstörungsnahe Symptome26Dondzilo, L., Mahalingham, T., & Clarke, P. J. F. (2024). A preliminary investigation of the causal role of social media use in eating disorder symptoms. Journal of behavior therapy and experimental psychiatry82, 101923. https://doi.org/10.1016/j.jbtep.2023.101923. sowie in einer größeren Detox-Studie geringere Depressions-, Angst- und Schlafprobleme nach einer Woche27Calvert, E., Cipriani, M., Dwyer, B., Lisowski, V., Mikkelson, J., Chen, K., Flathers, M., Hau, C., Xia, W., Castillo, J., Dhima, A., Ryan, S., & Torous, J. (2025). Social Media Detox and Youth Mental Health. JAMA network open8(11), e2545245. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2025.45245.. Auch Meta-Analysen deuten darauf hin, dass „Social Media Detox“-Interventionen kleine, aber messbare positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden haben, insbesondere auf depressive Symptome28Liu, Y., Mohamad, E. M. W., Azlan, A. A., & Tan, Y. (2025). Am I Happier Without You? Social Media Detox and Well-Being: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Behavioral sciences (Basel, Switzerland)15(3), 290. https://doi.org/10.3390/bs15030290. 29Ramadhan, R. N., Rampengan, D. D., Yumnanisha, D. A., Setiono, S. B., Tjandra, K. C., Ariyanto, M. V., Idrisov, B., & Empitu, M. A. (2024). Impacts of digital social media detox for mental health: A systematic review and meta-analysis. Narra J4(2), e786. https://doi.org/10.52225/narra.v4i2.786.. Offenbar macht es einen Unterschied, wie häufig wir uns perfekt inszenierten Körpern aussetzen.

Diese Erkenntnisse spiegeln sich zunehmend auch auf gesellschaftlicher Ebene wider. Gegenbewegungen gewinnen an Sichtbarkeit, etwa durch Influencerinnen, die bewusst ungeschönte Bilder zeigen oder idealisierte Darstellungen transparent machen. Parallel dazu werden regulatorische Maßnahmen diskutiert oder umgesetzt, etwa die Pflicht zur Kennzeichnung retuschierter Bilder in sozialen Medien. Ziel solcher Regelungen ist es, unrealistische Schönheitsideale als solche erkennbar zu machen und damit potenziellen negativen Effekten auf Körperbild und Wohlbefinden entgegenzuwirken30Dreyer, S., Lampert, C., & Andresen, S. (2025). Kennzeichnung von bearbeiteten (Influencer-)Fotos: Erforderlichkeit,
Wirkung, Regelungsansätze. (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts, 75). Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut.
https://doi.org/10.21241/ssoar.99635.
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Die zugrunde liegende Botschaft ist einfach, aber wesentlich: Nicht alles, was online sichtbar ist, spiegelt die Realität wider, und erst recht nicht bildet es einen sinnvollen Maßstab für den eigenen Körper.

Schönheit, Gesundheit und das veränderte Körperbild

Angesichts dessen stellt sich die naheliegende Frage: Warum setzen wir uns diesem ständigen Optimierungsdruck eigentlich aus? Häufig wird der Wunsch abzunehmen mit „Gesundheit“ begründet. Doch schlank zu sein, bedeutet nicht automatisch, gesund zu sein, und ein höheres Körpergewicht bedeutet nicht automatisch, ein Gesundheitsrisiko zu sein.

Schlank ist nicht automatisch gesund

Große Bevölkerungsstudien zeigen, dass „schlank“ nicht automatisch mit der besten Gesundheit oder der niedrigsten Sterblichkeit einhergeht. Große Kohortenstudien und Meta-Analysen zeigen eine J-förmige Beziehung zwischen BMI und Sterblichkeit, wobei das geringste Sterberisiko im mittleren Normalgewichtsbereich (etwa BMI 22–25) liegt31Aune, D., Sen, A., Prasad, M., Norat, T., Janszky, I., Tonstad, S., Romundstad, P., & Vatten, L. J. (2016). BMI and all cause mortality: systematic review and non-linear dose-response meta-analysis of 230 cohort studies with 3.74 million deaths among 30.3 million participants. BMJ (Clinical research ed.)353, i2156. https://doi.org/10.1136/bmj.i2156. 32Bhaskaran, K., Dos-Santos-Silva, I., Leon, D. A., Douglas, I. J., & Smeeth, L. (2018). Association of BMI with overall and cause-specific mortality: a population-based cohort study of 3·6 million adults in the UK. The lancet. Diabetes & endocrinology6(12), 944–953. https://doi.org/10.1016/S2213-8587(18)30288-2.. Untergewicht und ausgeprägte Adipositas sind mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert, während in großen Meta-Analysen häufig kein erhöhtes Risiko für leichtes Übergewicht beobachtet wird33Flegal, K. M., Kit, B. K., Orpana, H., & Graubard, B. I. (2013). Association of all-cause mortality with overweight and obesity using standard body mass index categories: a systematic review and meta-analysis. JAMA309(1), 71–82. https://doi.org/10.1001/jama.2012.113905.. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich dieser Bereich oft etwas nach oben. Ein sehr niedriger BMI kann dann sogar nachteilig sein, während leichtes Übergewicht, also ein BMI von 25 bis unter 30, in vielen Studien kein klar erhöhtes Sterberisiko zeigt34Winter, J. E., MacInnis, R. J., Wattanapenpaiboon, N., & Nowson, C. A. (2014). BMI and all-cause mortality in older adults: a meta-analysis. The American journal of clinical nutrition99(4), 875–890. https://doi.org/10.3945/ajcn.113.068122. 35Visaria, A., & Setoguchi, S. (2023). Body mass index and all-cause mortality in a 21st century U.S. population: A National Health Interview Survey analysis. PloS one18(7), e0287218. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0287218..

Auch Langzeitstudien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen, dass Körpergewicht allein wenig über die tatsächliche Gesundheit aussagt36Powell-Wiley, T. M., Poirier, P., Burke, L. E., Després, J. P., Gordon-Larsen, P., Lavie, C. J., Lear, S. A., Ndumele, C. E., Neeland, I. J., Sanders, P., St-Onge, M. P., & American Heart Association Council on Lifestyle and Cardiometabolic Health; Council on Cardiovascular and Stroke Nursing; Council on Clinical Cardiology; Council on Epidemiology and Prevention; and Stroke Council (2021). Obesity and Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation143(21), e984–e1010. https://doi.org/10.1161/CIR.0000000000000973.. Es gibt Menschen mit höherem Gewicht, die keine ausgeprägten Stoffwechselstörungen aufweisen, und umgekehrt normalgewichtige Personen mit erhöhtem Risiko, etwa durch Bewegungsmangel, Rauchen oder chronischen Stress37Schulze, M. B., & Stefan, N. (2024). Metabolically healthy obesity: from epidemiology and mechanisms to clinical implications. Nature reviews. Endocrinology20(11), 633–646. https://doi.org/10.1038/s41574-024-01008-5.. Dass auch normalgewichtige Personen ein erhöhtes kardiometabolisches Risiko tragen können, ist insbesondere bei metabolisch ungünstigen Profilen gut belegt38Stefan, N., Schick, F., & Häring, H. U. (2017). Causes, Characteristics, and Consequences of Metabolically Unhealthy Normal Weight in Humans. Cell metabolism26(2), 292–300. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2017.07.008.. Entscheidend sind dabei vor allem Fettverteilung, körperliche Fitness und Stoffwechselgesundheit, weshalb Körpergewicht nur ein grober Marker und kein verlässlicher Gesundheitsindikator für sich genommen ist39Ding, C., Chan, Z., & Magkos, F. (2016). Lean, but not healthy: the ‚metabolically obese, normal-weight‘ phenotype. Current opinion in clinical nutrition and metabolic care19(6), 408–417. https://doi.org/10.1097/MCO.0000000000000317..

Body Positivity als Gegenbewegung zur Stigmatisierung

All das bedeutet nicht, gesundheitliche Risiken schwerer Adipositas zu leugnen oder zu verharmlosen. Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass Body Positivity zur Reduktion von Stigmatisierung beitragen kann, medizinische Prävention und Therapie bei bestehenden gesundheitlichen Risiken jedoch nicht ersetzt40Deutsche Adipositas-Gesellschaft (2023). Experten plädieren für „Body Neutrality“ statt „Body Positivity“ – Wie Körperbilder Adipositas und Essstörungen beeinflussen. https://adipositas-gesellschaft.de/experten-plaedieren-fuer-body-neutrality-statt-body-positivity-wie-koerperbilder-adipositas-und-essstoerungen-beeinflussen-wissenschaftlicher-ko/.. Im Kern richtet sich die Bewegung jedoch gegen Stigmatisierung und moralische Abwertung.

Über Jahrzehnte galt in westlichen Medien ein extrem schlankes, makelloses Körperideal als Norm. Die Folgen für Selbstwert, Körperzufriedenheit und Essverhalten sind gut dokumentiert41Lacroix, E., Smith, A. J., Husain, I. A., Orth, U., & von Ranson, K. M. (2023). Normative body image development: A longitudinal meta-analysis of mean-level change. Body image45, 238–264. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2023.03.003.. Body Positivity entstand als bewusste Gegenbewegung, um deutlich zu machen: Körper verdienen Respekt und Würde unabhängig von Größe, Alter, Hautfarbe oder körperlichen Einschränkungen42Leboeuf, C. (2019). What is body positivity?: The path from shame to pride. Philosophical Topics, 47(2), 113–127. https://doi.org/10.5840/philtopics201947218.. Inzwischen haben sich diese Perspektiven zumindest teilweise in Medien und Werbung niedergeschlagen.

Vielfalt wirkt auf das Körperbild

Tatsächlich zeigen Studien, dass körperdiverse Darstellungen nicht nur symbolisch wichtig sind, sondern auch messbare Effekte haben. Analysen körperpositiver Social-Media-Inhalte verdeutlichen, dass solche Darstellungen bewusst Vielfalt, Selbstakzeptanz und die Abkehr von engen Schönheitsidealen betonen43Cohen, R., Irwin, L., Newton-John, T., & Slater, A. (2019). #bodypositivity: A content analysis of body positive accounts on Instagram. Body image29, 47–57. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2019.02.007.. Experimentelle Studien und systematische Übersichten belegen, dass der Kontakt mit körperpositiven oder vielfältigen Social-Media-Inhalten mit einem positiveren Körperbild und geringerer Körperunzufriedenheit einhergeht, insbesondere bei jungen Frauen44Jiménez-García, A. M., Arias, N., Hontanaya, E. P., Sanz, A., & García-Velasco, O. (2025). Impact of body-positive social media content on body image perception. Journal of eating disorders13(1), 153. https://doi.org/10.1186/s40337-025-01286-y. 45Rodgers, R. F., Paxton, S. J., & Wertheim, E. H. (2021). #Take idealized bodies out of the picture: A scoping review of social media content aiming to protect and promote positive body image. Body image38, 10–36. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2021.03.009.. Zudem bewerteten die Teilnehmenden nach dem Konsum solcher Inhalte eine größere Bandbreite an Körperformen als akzeptabel, und die Vorstellung davon, welches Körpergewicht als „normal“ oder „ideal“ gilt, verschob sich leicht nach oben46Cohen, R., Newton-John, T., & Slater, A. (2021). The case for body positivity on social media: Perspectives on current advances and future directions. Journal of health psychology26(13), 2365–2373. https://doi.org/10.1177/1359105320912450..

Noch deutlicher fallen die Effekte aus, wenn der Fokus nicht auf Schönheit, sondern auf Funktionalität liegt. Studien zur Body Neutrality zeigen, dass der Blick auf das, was der Körper leisten kann, mit höherer Körperakzeptanz und weniger Vergleichsdenken einhergeht als klassische Schönheitsbotschaften47Alleva, J. M., Martijn, C., Van Breukelen, G. J., Jansen, A., & Karos, K. (2015). Expand Your Horizon: A programme that improves body image and reduces self-objectification by training women to focus on body functionality. Body image15, 81–89. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2015.07.001.. Analysen aktueller Social-Media-Inhalte und Experteneinschätzungen zeigen zudem, dass Body Neutrality vor allem als Abkehr vom Schönheitsideal und als Fokussierung auf Funktionalität und Selbstwert jenseits des Aussehens verstanden wird48Mulgrew, K. E., & Hinz, A. (2024). What is body neutrality and how is it different to existing body image concepts? An analysis of experts and general community responses. Body image51, 101780. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2024.101780. 49Mancin, P., Vall-Roqué, H., Grey, W., Griffiths, S., & Bonell, S. (2024). Let's talk about body neutrality: content analysis of #bodyneutrality on TikTok. Journal of eating disorders12(1), 199. https://doi.org/10.1186/s40337-024-01163-0..

Der Körper als Zuhause, nicht als Projekt

Body Neutrality geht damit einen Schritt weiter als Body Positivity. Statt sich selbst ständig schön finden zu müssen, rückt sie den Körper aus dem Zentrum der Bewertung. Der Körper ist kein Projekt, das ständig optimiert werden muss, sondern ein Ort, in dem wir leben. Er ermöglicht Bewegung, Nähe, Denken, Erleben. Diese Perspektive kann entlastend wirken, gerade in einer Kultur, die Körper permanent bewertet.

Es geht also nicht darum, Gesundheit gegen Akzeptanz auszuspielen. Sondern darum, Gesundheit nicht länger an ein enges Schönheitsideal zu koppeln und den eigenen Körper nicht als permanente Baustelle zu betrachten.

Bewegung und Ernährung: ohne Zwang, ohne Vergleich

Das bedeutet jedoch nicht, dass es falsch ist, etwas für die eigene Fitness oder Gesundheit tun zu wollen. Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress können wertvolle Werkzeuge sein, um sich körperlich und mental besser zu fühlen. Entscheidend ist jedoch die Haltung, mit der man all das angeht. Werden sie als Selbstfürsorge verstanden, können sie das Wohlbefinden stärken. Werden sie hingegen aus Druck, Schuld oder dem Gefühl heraus betrieben, nicht zu genügen, verlieren sie oft ihren positiven Effekt.

Studien zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität mit einem besseren Körpergefühl, höherem Wohlbefinden und einer stabileren psychischen Gesundheit verbunden ist50Tikac, G., Unal, A., & Altug, F. (2022). Regular exercise improves the levels of self-efficacy, self-esteem and body awareness of young adults. The Journal of sports medicine and physical fitness62(1), 157–161. https://doi.org/10.23736/S0022-4707.21.12143-7. 51White, R. L., Vella, S., Biddle, S., Sutcliffe, J., Guagliano, J. M., Uddin, R., Burgin, A., Apostolopoulos, M., Nguyen, T., Young, C., Taylor, N., Lilley, S., & Teychenne, M. (2024). Physical activity and mental health: a systematic review and best-evidence synthesis of mediation and moderation studies. The international journal of behavioral nutrition and physical activity21(1), 134. https://doi.org/10.1186/s12966-024-01676-6. 52Mahindru, A., Patil, P., & Agrawal, V. (2023). Role of Physical Activity on Mental Health and Well-Being: A Review. Cureus15(1), e33475. https://doi.org/10.7759/cureus.33475.. Auch eine höhere Ernährungsqualität sowie ein flexibleres, weniger restriktives Essverhalten werden in Studien mit einem positiveren Körperbild in Verbindung gebracht53Hoseini, F. S., Djazayery, A., & Movahedi, A. (2023). The relationship between food cravings and body image with healthy eating index in adolescent girls. Nutrition (Burbank, Los Angeles County, Calif.)111, 112037. https://doi.org/10.1016/j.nut.2023.112037. 54Linardon J. (2022). Reciprocal associations between intuitive eating and positive body image components: A multi-wave, cross-lagged study. Appetite178, 106184. https://doi.org/10.1016/j.appet.2022.106184. 55Behrend, N., Webb, J. B., & Warschburger, P. (2024). Explaining the prospective paths from body appreciation to intuitive eating facets: Does body image flexibility serve as a mediator?. Body image49, 101710. https://doi.org/10.1016/j.bodyim.2024.101710.. Dabei geht es nicht um Konfektionsgrößen oder das Erreichen eines Idealgewichts, sondern um Energie, Lebensqualität und das eigene Erleben im Alltag.

Vielleicht hast du im neuen Jahr Lust, eine neue Bewegungsform auszuprobieren. Tu es, weil es dir guttut, Spaß macht oder Stress abbaut – und nicht nur, um Kalorien zu verbrennen. Vielleicht merkst du auch, dass dir zu viel Social Media nicht bekommt. Dann können bewusste digitale Pausen, ein Spaziergang oder einfach ein Moment des Innehaltens helfen. Das kann manchmal schon ausreichen. Solche Gewohnheiten können die Gesundheit unterstützen, ohne dass du ständig gegen dich selbst arbeiten musst.

Gesundheit passt sich dem Leben an, nicht umgekehrt

Wichtig ist vor allem eines: Lass dich nicht von Online-Idealen unter Druck setzen. Niemand außer dir lebt in deinem Körper. Kein Vergleich mit retuschierten Influencern ist es wert, dass du dich schlecht fühlst. Und keine Internet-Challenge kennt deine Lebensrealität mit Arbeit, Verpflichtungen, mentaler Belastung und begrenzten Pausen. Viele Menschen jonglieren im Alltag bereits genug. Wenn nicht jeden Tag ein grüner Smoothie, ein Workout und 10.000 Schritte drin sind, dann ist das kein Mangel an Disziplin, sondern schlicht die Realität.

Selbstfürsorge darf auch leise sein

Im Gegenteil: Es zeugt von Stärke und Selbstfürsorge, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen. Dein Wert hängt nicht davon ab, ob du heute Yoga gemacht oder Schokolade gegessen hast. Gesundheit ist mehr als ein Trainingsplan. Sie umfasst auch die mentale Gesundheit sowie Erholung, Genuss und soziale Verbundenheit. Manchmal bedeutet ein gesunder Lebensstil, aktiv zu sein. Und manchmal bedeutet er, bewusst nichts leisten zu müssen und den Abend ruhig auf dem Sofa zu verbringen. Auch das gehört dazu.

Nimm deinen Körper mit ins neue Jahr – so, wie er ist!

Vielleicht lässt sich der Jahresanfang auch anders betrachten. Nicht als Stichtag, an dem plötzlich alles besser, schlanker oder disziplinierter sein muss, sondern als Moment zum Innehalten. Um auf ein Jahr zurückzublicken, in dem dein Körper dich getragen hat. Durch gute Zeiten und durch anstrengende. Durch Stress, Freude, Erschöpfung und Lachen. Jede Narbe, jede Falte, jede Veränderung ist Teil deiner Geschichte.

Dass sich der Körper verändert, ist kein Zeichen von Versagen. Es ist normal. Körper sind keine Projekte, die irgendwann „fertig“ sind. Sie reagieren auf das Leben. Auf Phasen, Belastungen und Pausen. Vielleicht auch auf mehr Ruhe oder weniger Zeit für dich selbst. All das gehört dazu.

Der Druck, pünktlich zum 1. Januar ein völlig neuer Mensch werden zu müssen, macht viele eher unglücklich als motiviert. Anstatt Aufbruch entsteht Stress. Anstatt Erleichterung stellt sich das Gefühl ein, schon wieder nicht zu genügen. Du darfst für dich entscheiden, da nicht mitzumachen. Dein Körper ist keine Baustelle, die dringend saniert werden muss. Diese Haltung hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun, sondern mit Respekt dir selbst gegenüber.

Selbstakzeptanz bedeutet keinen Stillstand. Sie bedeutet, dass Veränderung aus einer freundlichen Haltung heraus entsteht und nicht aus Selbstkritik oder Scham. Und genau das macht sie oft nachhaltiger. Wer gut für sich sorgen will, muss sich nicht erst „reparieren“.

Was wäre also, wenn du zum Jahreswechsel nichts an deinem Körper verbessern müsstest? Wenn du ihn einfach mitnimmst ins neue Jahr, so wie er heute ist? Mit allem, was er kann, und auch mit dem, was gerade vielleicht nicht perfekt läuft. Du könntest dir Ziele setzen, die nichts mit Kalorien, Waagen oder Challenges zu tun haben. Du könntest dir mehr Zeit für Dinge nehmen, die dir guttun. Mehr Bewegung, weil sie dir Freude macht. Mehr Pausen, wenn du sie brauchst. Schritt für Schritt, in deinem Tempo und passend zu deinem Leben.

Dein Körper verdient Wertschätzung – nicht wegen Perfektion, sondern weil er dein täglicher Begleiter ist. Du musst keine „bessere Version“ von dir werden, um gut für dich zu sorgen. Du bist bereits da. Genau jetzt. Und das ist genug.

In diesem Sinne: Willkommen im neuen Jahr! Möge es ein Jahr werden, in dem du freundlicher mit dir umgehst. Mit weniger Druck, weniger Vergleichen und mehr Vertrauen in dich selbst. Bleib gesund, auf die Weise, die dir guttut. Hab ein gutes Jahr mit dem Menschen, der dir am nächsten ist: dir selbst.

Foto des Autors

Alicia Kaleta

Alicia Kaleta, B.Sc. Ökotrophologie & B.Sc. Wirtschaftspsychologie, ist Masterstudentin im Studiengang Health Sciences an der HAW Hamburg. Neben ihrer Leidenschaft für wissenschaftliche Ernährungs- und Gesundheitsforschung teilt sie auf figurbetont.de praxisnahe, fundierte Inhalte zu Ernährung, Training und mentaler Gesundheit. (ResearchGate)

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